| Mercedes-Benz
300 SL: Die Literatur / Kurzrezensionen |
Mitteilungen
aus dem Daimler-Benz Archiv
300 SL Coupé/Roadster,
Dokumentation
Daimler-Benz Museum, Stuttgart; Format
21 x 29,5; ca. 110 Seiten; Broschur; zahlreiche techn. Zeichnungen und
Fotos; Texte in deutsch
 |
Eine Fleißarbeit
aus den Archiven von Mercedes-Benz: Die über das Daimler-Benz-Museum
vertriebene Broschur ist eine Zusammenstellung zahlreicher zeitgenössischer
Faksimile-Dokumente zum 300 SL. Der Band legt weniger Wert auf Ausstattung
und ist redaktionell kaum bearbeitet, wartet dafür aber mit seltenen
Originaltexten und Konstruktionszeichnungen auf. Da finden sich - noch
klassisch mit der Schreibmaschine getippte - Verkaufsinformationen für
die MB-Händler; Tabellen mit Ausstattungsmerkmalen; Aufstellungen
mit angebotenen Kombinationen von Lackierung und Farbe der Polsterbezugsstoffe;
eine Aufstellung der Fahrgestellnummern und jeweiligen Baujahre; Reproduktionen
von Prospekten und Presseberichten usw. usf. Selbst eine Kuriosität
wie das ausklappbare Faksimile einer säuberlich auf Millimeterpapier
gezeichneten Verlaufskurve über Motorleistung und Kraftstoffverbrauch
aus der Typenabnahme des M 198-Motors findet Platz in der Zusammenstellung.
Ein recht trockener technisch orientierter Text stammt aus einer Ingenieurs-Fachzeitschrift
und liefert "Technische Betrachtungen über die Mercedes-Benz-Sportwagen
300 SL und 190 SL", ein zweiter längerer Text (auch wieder ein Schreibmaschinen-Faksimile)
stammt aus der Feder des Auto-Journalisten Günter Engelen und befaßt
sich mit der historischen Entwicklung des 300 SL. ccccc
cccccc ccccc. Schon aus Imagegründen würde Mercedes-Benz
ein solches Werk heute vermutlich nicht mehr in dieser Form veröffentlichen,
aber aus dieser Quelle haben inzwischen sicherlich viele Motor-Journalisten
ihre Fakten über den 300 SL geschöpft. |
Nitske,
Robert W.
Mercedes-Benz 300 SL
Motorbook International, Wisconsin/USA
1974; Format 29 x 23 cm; 164 Seiten; 164 s/w-Abb.; Texte in englisch, Bildtexte
auch deutsch; ISBN 0-87938-021-7
 |
Was würde einen Autor
mehr prädestinieren, über ein bestimmtes Fahrzeug ein Buch schreiben,
als der Besitz eines Exemplars dieses Fahrzeugs? ccccccccccccccccccc
Und
so finden sich neben den meist bekannten, aus den Archiven von Mercedes-Benz
stammenden schwarz-weißen Abbildungen auch drei Fotos des Nitske-300
SL: Die persönliche Abholung in Sindelfingen mit Übergabe von
Schlüsseln und Papieren, die stolze Ehegattin vor einer Kulisse von
Flügeltürer und Villa in Santa Barbara, und der nicht minder
stolze Autor unter der geöffneten Flügeltür auf dem Einstiegsrahmen
sitzend. Nitskes Hauptproblem mit seinem 300 SL: ihn wegen der restriktiven
speed limits in den USA nicht angemessen fahren zu können. ccccccvccc
Da
verzeiht man gerne die ein oder andere Ungenauigkeit oder Fehler, wie etwa
Kurrle zu "Knurrle" zu verballhornen oder das Design des W 194 als "vergrößerten
Porsche" zu diskreditieren. Auch die Geschichte des "Hobel", jenes Einzelstücks
von 1953, aufgebaut auf der Basis des W 194 mit der Fahrgestellnummer 11,
kommt etwas unscharf und verkürzt.
ccccccccc
ccccccccc ccccccccccccccccccc ccccc Fast die Hälfte des Buches
besteht zudem aus Reprints der Betriebsanleitungen von Flügeltürer
und Roadster inclusive aller Abbildungen und Tabellen. cccccccccccccc
ccccccc
Dennoch, immerhin ist das Werk von 1974, dürfte das
Buch über viele Jahre hinweg das Standardwerk zum 300 SL gewesen sein,
zumindest in den USA. |
Sauzay,
Maurice
Mercedes-Benz 300 SL
Nr. 7 aus der Reihe "Collection Grand
Tourisme", EPA, Paris/Frankreich 1984; Format 19 x 22 cm; 134 Seiten; 87
s/w-Abb., 10 Farbfotos; frz. Text; ISBN 2-85120-199-9
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Klein, aber fein - auf
dem Kaffeetisch wäre dieses Buch schnell zwischen Tassen und Kuchentellern
verloren. ccc Dieser Einstieg verrät
schon mein Problem mit dieser Kurzrezension: mein Schulfranzösisch
hat sich leider zum großen Teil verflüchtigt, und daher kann
ich über seinen Inhalt nur rudimentäre Angaben machen. Leicht
läßt sich feststellen, daß sich Sauzay im Gegensatz zu
vielen seiner Kollegen aus dieser Zeit recht ausführlich mit Geschichte
und Verbleib der 11 W 194-Fahrzeuge beschäftigte, wobei er freilich
über den Wissenstand von 1984 nicht hinauskam und sicher auch nicht
hinauskommen konnte. Immerhin verrät der Autor hier trotz des nur
beschränkt zur Verfügung stehenden Platzes eine gewisse Akribie,
eine mehr journalistische als literarische Herangehensweise, die mir das
Buch sympathisch macht. Ich ziehe die Chronisten gerne den Schwadronierern
vor, die sich selbst größer machen wollen als das, worüber
sie berichten. cccc ccccc Ganz besonders aber
gefallen mir die vielen seltenen Bilder, von denen ich eine ganze Reihe
erstmals in diesem Buch sehe. Darunter je zwei von der Mille Miglia, Le
Mans und vom Nürburgring 52, und ein lustiges doppelseitiges von der
Carrera Panamericana mit einem das halbe Format füllenden Esel im
Vordergrund, nur klein dagegen im Hintergrund Startnummer 3 und 4 sowie
der Service-LKW. Selbst vom "Hobel" (Chassis 11), dem ein eigenes kurzes
Kapitel gewidmet ist, gibt es bei Sauzay mir bisher nicht geläufige
Fotos. ccccc cccc cccccc cccccc ccccc ccccc ccccc
Daß auch der 300 SL nur ein Auto ist, zeigt die Abbildung eines reichlich
zertrümmerten Gullwing in einem Straßengraben. cccccc
ccccccc ccccccc cccccccc cccccc cc Wenn man wirklich unbedingt
was an dem Buch kritisieren will, dann die zeittypisch nicht so tolle grafische
Gestaltung, und auch bei der drucktechnischen Umsetzung scheint der Rotstift
eine nicht unerhebliche Rolle gespielt zu haben. Dafür gibt's ein
Vorwort von Olivier Gendebien, der den 300 SL selbst in Rennen gefahren
hat, aber da wäre ich wieder am Ausgangspunkt: mein Schulfranzösisch... |
Lewandowski,
Jürgen
Mercedes-Benz 300 SL
Art & Car Edition; Südwest-Verlag,
München ca. 1988; limitierte und numerierte Auflage; 160 Seiten; über
200 farbige Abb.; Text in deutsch und englisch. Als Beilage: Reprint des
Flügeltürer-Prospektes von 1954
 |
Jürgen
Lewandowski ist der Autor des am luxuriösesten aufgemachten deutschsprachigen
Buches über den 300 SL. In der ambitionierten "Art & Car Edition"
des Südwest-Verlags erschienen, präsentiert das in blaues Leinen
gebundene großformatige Werk zahlreiche hervorragende, zum Teil doppelseitige
Farbaufnahmen von Flügeltürer und Roadster, darunter viele aus
den Ateliers des renommierten Leonberger Fotografen Rene Staud. Ein paar
Schwächen zeigt das Buch in der Recherche zum W 194, viele Angaben
über Geschichte und Verbleib der 52er Renn-300 SL sind inzwischen
besser bekannt. Ansonsten sind die zweisprachigen Texte spannend zu lesen
und lassen nichts aus, was der Leser an Informationen über den berühmsten
deutschen Seriensportwagen erwartet. Wobei das Buch allerdings weniger
Wert auf akribische Faktenhuberei legt, sondern durchaus auch literarische
Ambitionen beweist. Technische Details finden sich dafür kompakt im
reichhaltigen Anhang. ccccccc cccccc cccc cc. Die
auf 3000 Exemplare limitierte und numerierte Auflage ist schon seit vielen
Jahren vergriffen und nur noch antiquarisch aufzutreiben, wobei die Gestehungskosten
für perfekt erhaltene Exemplare leicht ein mehrfaches des ursprünglichen
Kaufpreises erklimmen. Allerdings nur, wenn der Leinenschuber und der ursprünglich
darin enthaltene Reprint eines Flügeltürer-Prospektes noch vorhanden
sind. |
Matsuda,
Y. / Inomoto, Y.
Mercedes 300 SL Gullwing
GREAT CARS OF GREAT COLLECTIONS VOL.2
Fotos von Komei Hanaoka
Matsuda-Verlag, Japan 1981; Format
30,5 x 30,5 cm, 80 S., Hardcover mit Schutzumschlag; 50 Farbfotos, 9 s/w-Fotos,
10 Zeichnungen; Texte in jap. und engl.
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Band 2 in der
Reihe "Great Cars of Great Collections" ist eigentlich kein Buch über
den 300 SL, sondern ein Buch über einen 300 SL, nämlich
das Exemplar mit der Fahrgestellnummer 5500581, ein silbergrauer Flügeltürer
aus dem Jahr 1955. Das Buch hat einen schmalen Rücken, dafür
sind die Seiten in Langspielplattengröße, und das kommt besonders
zur Geltung bei den oft doppelseitigen, sehr dunkel gehaltenen Aufnahmen
(das bringt die Reflexe so richtig zur Geltung) von Komei Hanaoka, der
den genannten Flügeltürer im Hauptteil mit 50 grandiosen Fotos
festgehalten hat. Dabei fallen besonders die in Perspektive und Stil ungewöhnlichen
Detail- und Nahaufnahmen ins Auge. Ein weiteres Highlight ist die
inzwischen berühmte und schon häufig nachgedruckte, sehr detaillierte
Aufrißzeichnung von Yoshihiro Inomoto, die sich ebenfalls auf einer
Doppelseite breitmachen darf (bei den oft verkleinerten Nachdrucken gehen
viele feine Details verloren). Die in japanisch und englisch abgedruckten
Texte bleiben im Rahmen des zu Erwartenden und würden allein die Anschaffung
des längst vergriffenen und hierzulande schwer aufzutreibenden Buches
nicht rechtfertigen.
"To me the 'Gullwing' is the loveliest
of all cars", schreibt Herausgeber Yoshiho Matsuda in seinem Vorwort "Gullwing
and I". Wer wollte ihm da widersprechen. |
Boddy,
William
Mercedes-Benz 300 SL - Gullwing
& Roadster
Osprey AutoHistory; London 1983;
Format 19 x 22 cm; 136 Seiten; 70 s/w- und 12 Farbfotos; Text in engl.;
Leinen-Hardcover mit Schutzumschlag; ISBN 0-85045-501-4
 |
Was dem Amerikaner sein
Nitske und dem Deutschen sein Engelen/Riedner, ist dem Briten sein Boddy:
hier das vor dem Erscheinen des Buches von Adler klassische britische Standardwerk
über den 300 SL, inzwischen freilich schon etwas betagt. ccc
cccc ccccvvv bbbbbb sssssss lllccc ccccc Der auch mit diversen Fotos,
die in anderen 300 SL-Büchern nicht zu finden sind, reichhaltig illustrierte
Band glänzt mit informativen und dennoch locker geschriebenen Texten.
Der Teil mit den technischen Spezifikationen beschränkt sich hingegen
auf knappe 2 Seiten und dürfte buchhalterisch veranlagte Naturen nicht
sonderlich befriedigen. Im Textteil sind technische Angaben weitaus reichlicher
enthalten, allerdings nicht auf einen Blick abzulesen - ein Buch zum Schmökern
also. Die Farbfotos sind, wie in prädigitalen Zeiten häufig üblich,
aus Kostengründen auf einem Druckbogen und damit acht aufeinanderfolgenden
Glanzpapier-Seiten zusammengefaßt. Wie in vielen anderen älteren
300 SL-Büchern vermißt man auch bei Boddy ausführlichere
Informationen über die Entwicklung vom W 194 zum Seriencoupé,
insbesondere über den Typ 11 von 1953 - diese Geschichte brauchte
bei vielen mit Autos befaßten Schreibern offenbar an die vierzig
Jahre, um für die Öffentlichkeit recherchiert zu werden. |
Engelen,
G. / Riedner, M.
Mercedes-Benz 300 SL - Vom Sportwagen
zur Legende
Fotos von Hans-Dieter Seufert
Motorbuch-Verlag, Stuttgart;
1. Auflage 1989;
2. überarbeitete und erweiterte
Auflage 1999; Format 24 x 27 cm; Hardcover mit Schutzumschlag; 288 Seiten;
383 Abb., davon 54 in Farbe; Text in deutsch; DM 98,-:
3. Auflage 2008; Format 23 x 26,5;
Broschur; 288 Seiten; 333 Abb., davon 60 in Farbe; 19,95 Euro; ISBN 978-3-613-02937-8
 |
Dies ist nicht weniger
als das deutsche Standardwerk über den Mercedes-Benz 300 SL Typ W
194, W 198 I und W 198 II. Dafür sorgen die Motor-Journalisten Riedner
und Engelen sowie der herausgebende Fachverlag. Das höchst umfangreiche
Buch beleuchtet jedes Detail des Klassikers in technischer und historischer
Hinsicht, z.B. umfaßt die Berichterstattung über jede einzelne
Rennteilnahme des W 194 im Jahr 1952 nicht nur die Rennverläufe, sondern
auch die jeweiligen Rennvorbereitungen und Trainingssitzungen. Umfangreiche
Werksunterlagen bis hin zu Briefwechseln aus den Archiv von Mercedes-Benz
wurden ausgewertet und zitiert. Ergänzt wird das Werk durch reichhaltige
Illustrationen, viel Schwarzweißmaterial aus dem Werksarchiv mit
z.T. seltenen Aufnahmen aus den frühen Jahren, gefolgt von großformatigen
Farbfotos der Serienmodelle. Ausführlich werden auch exotische 300
SL-Ableger bzw. -Varianten unter die Lupe genommen, neben dem berühmten
Typ 11 von 1953 und dem SLS auch der legendäre, erst kürzlich
von Mercedes-Benz wiederaufgebaute Renntransporter, der als Unikat 300
SL-Bauteile enthielt (und enthält). Die letzten Kapitel stellen prominente
300 SL-Besitzer vor, befassen sich mit Maßstabsmodellen des 300 SL,
präsentieren Nachfolger wie z.B. den ebenfalls mit Flügeltüren
ausgestatteten C 111 oder beschäftigen sich mit der Restaurierung.
Ein umfangreicher technischer Anhang listet alle erdenklichen Daten und
Fakten zum 300 SL. cccc cccccccccccccccc ccc. Zehn
Jahre nach dem ersten Erscheinen wurde das Buch 1999 in einer überarbeiteten
und erweiterten Auflage veröffentlicht; 2008 erschien die dritte Auflage,
diesmal als Broschur. Die gebundenen Versionen sind nur noch antiquarisch
zu erhalten. |
Motor
Klassik / Mercedes-Benz-Museum
300 SL 1952 - 1963
Hrsg. Mercedes-Benz AG, Stuttgart
1992; 140 Seiten; Format 24,5 x 34 cm; Broschur; zahlreiche z.T. vierfarbige
Abb.
 |
Viele Jahre ist es her,
das Objekt der Begierde hat inzwischen den 50. Geburtstag hinter sich,
da taten sich zur Feier des 40. das Mercedes-Benz-Museum und die Zeitschrift
Motor-Klassik zusammen, und heraus kam ein sehr schön gemachtes Sammelsurium
an Beiträgen über den legendären 300 SL. Zwischen zwei standesgemäß
silbergrau unterlegten Umschlagdeckeln findet man hauptsächlich Reprints
aus "Auto Motor und Sport", der "Motor-Revue", aus "Motor-Klassik" und
aus diversen zeitgenössischen Mercedes-Benz-Prospekten, jeweils umrahmt
von einem silbergrauen Rand und geschmackvoller Typographie; und da es
sich um Faksimiles handelt, sind nicht nur die Texte, sondern auch die
Bilder dabei. Über das Fahrzeug selbst wäre damit das wichtigste
gesagt, folglich erstrecken sich die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
des Buches aktuell verfassten Beiträge hauptsächlich auf kulturelle
Themengebiete rund um den 300 SL: der 300 SL im Film, in der Kunst, auf
Briefmarken, als Modellauto - und machen das Buch damit zu einer empfehlenswerten
Rarität, denn in den mir bekannten anderen 300 SL-Büchern wird
über so etwas höchstens mal am Rand berichtet. Vorworte und eine
Einführung von Max Gerrit von Pein, Dirk-Michael Conradt und Juan
Manuel Fangio runden das Geburtstagsständchen zum 40. ab.
cc.
Einziger
Nachteil: Das Buch paßt mit seinen 34 Zentimetern Höhe in kaum
ein Regal. |
Dennis
Adler
Mercedes-Benz 300 SL
Motorbooks International 1994; englisch;
Hardcover mit Schutzumschlag; 26,5 x 26 cm; 168 S.; $ 49,95; ISBN 0-87938-882-X
 |
"To my way of thinking,
the 300SL, along with the E-Type Jaguars, share the honor of being the
most romantic motorcars of the postwar era." ccccc
cccccccc ccccccccccc Diese ungewöhnliche Betrachtungsweise
eines Fahrzeugs, welches zumeist eher mit technisch orientierten Begriffen
geadelt wird, gibt im Vorwort ein wenig die Richtung dieses Buches an.
Sowohl bei oberflächlicher als auch bei allzu naher Inaugenscheinnahme
dieses edel anmutenden Bandes scheint er die erwarteten Informationen über
den 300 SL zu liefern, aus mittlerer Distanz betrachtet jedoch zeigt sich
Adlers Buch als Hommage an Ära und Aura eines Wunderwerkes von Design
und Technik, vielleicht gar mit großen Augen aus einer kindlichen
Perspektive. cc cccccc Aufmachung und Bebilderung
sind opulent, und nicht umsonst erweist der Autor seinem Vorgänger
Lewandowski die Reverenz. Manche Bilder sind echte Raritäten, so z.B.
die vom ersten öffentlichen Auftritt des 300 SL auf der Solitude,
und ein ganzes ausführliches Kapitel mit nicht minder selten gesehenen
Aufnahmen des Journalisten Douglas Duncan befasst sich mit dem frisch umgebauten
W 194 Fg.-Nr. 9 als Prototyp des Roadsters (und späteren SLS) im Jahr
1956. ccccc ccccccc ccccccc cccccccc ccccccc
Da dieses Buch aus den in diesen Dingen eher unkonventionellen USA stammt,
schreckt Adler auch nicht vor zwei Replikas oder violett ("strawberry")
lackierten Originalen zurück. Puristen mögen die Nase rümpfen
(und vielleicht auch das Kapitel über den SLR überschlagen),
aber ihnen geht ja auch die romantische Sichtweise des Autors ab. |
Karl
E. Ludvigsen
Mercedes-Benz 300 SL - Racing
Cars 1952 - 1953
Ludvigsen Library Series, 2002; 21,5
x 26 cm; Broschur; 126 Seiten; 116 s/w-Fotos; Einführung von Alfred
Neubauer; englisch; Preis $ 24,95; ISBN-Nummer 1-58388-067-4
 |
Wer sich neben dem bekannteren
Serien-300 SL auch für dessen Renn-Vorläufer aus dem Jahr 1952
interessiert, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Dabei enthält das
Werk kaum Text, dafür aber 116 fast ganzseitige, lediglich mit jeweils
ein paar Zeilen Bildunterschrift versehene rare Schwarzweiß-Aufnahmen.
Viele davon dürften bisher unveröffentlicht sein. Ein Großteil
der Rennfotos stammen vom Motorsport-Fotografen Rodolfo Mailander, ein
paar von Verleger Ludvigsen, einige aus dem Werksarchiv, und das farbige
Titelfoto machte Journalist Günther Molter bei der Carrera Panamericana
in Mexiko, wo er selbst ein Fahrzeug pilotierte. So knapp die englischsprachigen
Texte gehalten sind, werfen sie doch Licht auf die bisher unbekannte Geschichte
einzelner Fahrgestellnummern des W 194, so z.B. des Exemplars, welches
früher mal im MB-Museum als Siegerfahrzeug der Carrera Panamericana
ausgegeben wurde. Das macht dieses Buch vorerst zum unangefochtenen Standardwerk
über den W 194. ccc ccc Bei der
auf dem Cover annoncierten "Einführung von Alfred Neubauer" (der frühere
Mercedes-Rennleiter) handelt es sich allerdings um ein Memo des "Dicken"
aus dem Jahr 1951, nicht daß jemand denkt, der Mann weile immer noch
unter den Lebenden. |
Hrsg.
Mercedes-Benz Classic
Faszination SL (W 194)
DaimlerChrysler 2002, 96 Seiten,
Hardcover, Format 22.5 x 31.5 cm, 160 teilweise farbige Bilder, ISBN 3-89365-133-0,
NP 14,80 Euro cccccc ccccccc cccccccc cccccccc cccccccc
c  |
Ein schmales Bändchen,
aber es handelt ja auch nur von 11 Sportwagen, nämlich den 300 SL
W 194 der Jahre 1952 und 1953 mit den Fahrgestell-Endnummern 1 - 11. Macht
im Schnitt fast neun Seiten pro Fahrzeug, und das ist dann doch eher umfangreich.
Aber so ist das Buch nicht aufgebaut. Im Anschluß an die Vorgeschichte
beschreibt Texter Günter Engelen kenntnisreich die Rennen, die von
den ersten Nachkriegs-Silberpfeilen aus dem Haus Mercedes-Benz erfolgreich
bestritten wurden, um dann ein ganzes Kapitel dem "Typ 11" zu widmen, der
die Erfolgsgeschichte fortsetzen sollte und dann nicht durfte. Garniert
mit etlichen historischen Fotos, die ich zuvor noch nie zu Gesicht bekommen
habe sowie ein paar neueren, die bei einem Fotoshooting und Fahrzeugtest
für die Zeitschrift Motor-Klassik vor einigen Jahren entstanden, macht
dieses Kapitel das eigentliche Highlight des Buches aus, wenn auch der
zugehörige Text etwas knapp ausgefallen ist, um Platz für die
jeweils zugehörige englische Übersetzung zu behalten. Eine tabellarische
Auflistung der einzelnen FG-Nummern mit ihrem jeweiligen Verbleib schließt
diesen Teil des Buches ab. Die Inhalte entsprechen im Wesentlichen denen,
die bereits im von Engelen verfaßten 300 SL-Werk aus dem Motorbuch-Verlag
abgedruckt sind, freilich ergänzt durch aktuellere Informationen mit
dem Stand von 2002. Den letzten Teil des Buches zieren ausführliche
Porträts der Fahrer, welche die W 194 gefahren haben. Dies ist mal
ein netter Zug, denn ohne Fahrer hätten die Autos ja nur rumgestanden
und wären weitaus weniger bekannt geworden, oder? Am Ende gibt's noch
eine vernachlässigbare Doppelseite über Miniaturen des W 194,
weil sie lediglich Werbeseiten für die Mercedes-Benz Classic Collection
sind. cccccc ccccc ccccc Alles in allem auch
dank des erschwinglichen Neupreises eine lohnenswerte Anschaffung. |
Karl
Kling / Günther Molter
Teufelsfahrt durch Mexiko
Blüchert-Verlag, Stuttgart 1953
(Erstausgabe; Lizenzausgabe 1954 bei Bertelsmann Lesering); 12,7 x 19 cm;
Hardcover; 64 Seiten; Zeichnungen von G. Scherrer
Hans-Günther Wolf
Rennsieg in Mexiko
Enßlin & Laiblin-Verlag,
Reutlingen 1953; 12,3 x 18,3 cm; Hardcover mit Leinenrücken; 80 Seiten;
Zeichnungen von Alfred Zacharias; Titelzeichnung 1. Auflage von A. Zacharias,
Titelzeichnung 2. Auflage von Hans Liska (Abb. auf der Literaturseite)

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Diese beiden schmalen
Bändchen zählten zu einer Art Literatur, die man in den frühen
Jahren dieser Republik "Jugendbücher" nannte und von denen es ganze
Buchreihen gab. Wer immer in diesen Jahren aufwuchs und zu lesen begann,
dürfte etliche davon im ersten Bücherregal stehen gehabt haben.
Der reportagehafte Schreibstil dieser Werke war demgemäß einfach
gehalten und vermittelte dem Nachkriegs-Nachwuchs einen Hauch von Abenteuer,
hier und da versetzt mit einer Prise heute etwas ranzig wirkender zeittypischer
Deutschtümelei, garniert mit etwas militärischem Vokabularium
- man hört vor dem geistigen Ohr den schneidend bis schnarrenden Duktus
damaliger Wochenschau-Sprecher. Nun ja, bereits lange vor dem legendären
Fußball-WM-Sieg 1954 bewies Mercedes-Benz Ende 1952 mit dem Sieg
des neuen 300 SL-Sportwagen in Mexiko, daß Deutschland auf dem Weg
war, "wieder wer zu sein". ccccccccc ccccccccccccccccccccccccccccc
ccccccc cc Das erste Werk stammt aus der Feder zweier Rennteilnehmer
der Carrera Panamericana 1952, der des Lenkers des Siegerfahrzeuges, Karl
Kling, und der des Journalisten Günther Molter, der einen 300 SL "Spider"
als Begleitfahrzeug steuerte. Damit ist das Buch hautnah dran, aus der
Erzählerperspektive schildert Kling (vermutlich dann schriftlich formuliert
von Fachmann Molter) Vorgeschichte, Vorbereitungen und den Verlauf des
zur Legende gewordenen Rennens, in dem Kling und Beifahrer Klenk ein großer
Vogel bei Renntempo durch die Frontscheibe krachte und Klenk eine blutende
Kopfwunde bescherte. Scherrers farbige Titelzeichnung bildet das Ereignis
ab. ccccc ccccc c Das Buch von Wolf, bei der
vermögenderen Konkurrenz erschienen, bevor Bertelsmann das Kling-Buch
in Lizenz herausbrachte, schildert die Geschehnisse sachlicher und logischerweise
auch aus größerer Distanz. Wolf beschreibt den Rennverlauf nicht
nur der deutschen, sondern auch der der anderen Teilnehmer und listet dabei
z.B. die Zwischenstände am Ende der jeweiligen Rennetappen. Gleichwohl
findet sich auch hier der jugendbuchtypische Schreibstil mit wörtlicher
Rede, Sätzen, die mit drei Punkten enden und jeder Menge Ausrufezeichen.
Zacharias' Titelbild der Erstausgabe zeichnet das Siegerfahrzeug detailgetreuer,
während der heute berühmte Illustrator Hans Liska die Titelabbildung
der zweiten Auflage etwas freier interpretiert und stilistisch deutlich
schöner gestaltet hat. Hier ist der W 194 bereits mit den legendären
Gitterstäben vor der Frontscheibe dargestellt. ccc
ccccccc Bleibt anzumerken, daß das Buch von Kling und Molter
zu den ersten zählt, die der Verfasser dieser Seiten als Kind gelesen
hat und damit sicher einen Großteil der Schuld an dessen 300 SL-Verrücktheit
trägt. ccccc cccccc cccccc Genau dieses
Exemplar liegt jetzt vor mir, mit Widmung in krakeliger Kinderschrift:
"G.K. zu Weihnachten". In grün, fast wie die Kotflügelraute des
Siegerfahrzeugs... |
Markus
Bolsinger (Fotos)
Jürgen Lewandowski / Dr. Harry
Niemann (Texte)
50 Jahre Mercedes-Benz 300 SL
Verlag Delius Klasing; Bielefeld
2004; 144 Seiten; 75 teils dreiseitige Fotos, 33 s/w-Fotos, 11 farbige
Abbildungen; Format 24 x 30 cm; ISBN 3-7688-1512-9; NP € 39,90
 |
Ein Buch zum 50. Geburtstag
des 300 SL, und ein Buch wie eine Geburtstagstorte: sieht schön aus,
schmeckt auch, aber man ist schnell satt und braucht dann dringend 'ne
Gewürzgurke. Das liegt vor allem an den Fotos von Markus Bolsinger.
Gewiß, technisch hervorragende Aufnahmen, ein - freilich! - schönes
Auto, vor grandioser Naturkulisse abgelichtet ("Valley of Fire"/USA, Mexiko,
Kapstadt), aber daran hat man sich schnell satt gesehen. Dazu dann in den
Bildbetextungen wortklingelnde Phrasen von Ästhetik, Mythen, Legenden,
ein irgendwie letztlich hohl wirkender und obendrein vergeblicher Versuch,
einer Krone noch ein paar Zacken mehr zu verpassen. Großartiges gehört
schlichter verpackt. cccccccc cccccccccccccc cccccccccc
Mehr
Befriedigung vermitteln die Texte. Bei Lewandowski allerdings müssen
hier allerdings auch Abstriche gemacht werden, denn leider wird der eine
oder andere Irrtum bezüglich der Geschichte des W 194, die schon in
seinem älteren Werk aus dem Südwest-Verlag standen, erneut aufgetischt.
Daß das nicht stimmig ist, könnte der Autor selbst merken, denn
er widerspricht sich. Beim Rennen in Bern bekam "Fritz Riess (...) den
Wagen mit der Nummer 00002/52 zur Verfügung gestellt" (er wurde Dritter
im Rennen); und fünf Seiten weiter schreibt Lewandowski "Der 300 SL
mit der Fahrgestellnummer 00002/52 (...) stand in Bern als Ersatzwagen
bereit." cccccc cccccc ccccc ccccccc
Ansonsten
breitet Lewandowski eine Fülle von spannend formulierten Details über
die Geschichte des 300 SL aus, wobei jedoch keine Überraschungen zu
erwarten sind. Die Highlights des Buches sind sechs Essays von Dr. Harry
Niemann, Leiter des Konzernarchivs der DaimlerChrysler AG, in denen schlaglichtartig
und anekdotenhaft Aspekte und Ereignisse aus der Fahrzeuggeschichte des
300 SL präsentiert werden. Davon hätte das Buch gut und gerne
mehr vertragen - überhaupt vermisse ich in der einschlägigen
Literatur Geschichte und Geschichten von Zeitzeugen, insbesondere aus dem
Werk, und da nicht nur von Nallinger, Neubauer und Uhlenhaut. Bald ist
es dafür zu spät. |
Karl
Ludvigsen (Hrsg. und Vorwort)
Mercedes-Benz 300 SL Gullwings
and Roadsters 1954 - 1964
Ludvigsen Library Series/Iconografix;
Hudson 2005; 128 Seiten; über 120 s/w-Fotos; Softcover; Format 26
x 21,5 cm; ISBN 1-58388-137-9; NP $ 29,95
 |
Wie bereits in seinem
Buch "Mercedes-Benz 300 SL - Racing Cars 1952 - 1953" stützt sich
Herausgeber Karl Ludvigsen auch in diesem Werk auf den immensen Fotofundus
seiner Ludvigsen Library. So bestehen die meisten Seiten aus je einer großformatigen
Aufnahme der Fotografen Rudolfo "Rudy" Mailander bzw. Edward Eves, versehen
mit einer knappen, aber kenntnisreichen Bildunterschrift. Obwohl auf edles
Papier und sonstigen Luxus verzichtet wird, sind die Fotos im Druck kontrastreich
und scharf. Wenige der Bilder habe ich zuvor bereits gesehen, zum Teil
kennt man einzelne, aber nicht die davor oder danach entstandenen Aufnahmen
einer Serie. So wird der berühmte Gitterrohr-Rahmen aus allen möglichen
Perspektiven und in Nahaufnahmen präsentiert, stets begleitet von
Ludvigsens immensem Detailwissen. Eine lange Fotoserie zeigt die Entstehung
der Fahrzeuge in den Werken Untertürkheim (wo die Motoren, Getriebe
und Achsen gebaut wurden) und Sindelfingen (zuständig für den
Rahmen, die Karosserie und die Endmontage), gefolgt von diversen Aufnahmen
fertiger 300 SL auf dem Werksgelände, auf Automobilausstellungen und
schließlich im Renneinsatz u.a. in den USA. Etwas kürzer kommen
Bilderserien von Roadster und SLS, aber auch der exotische Porter-SL wurde
nicht ausgelassen.
Die Unzahl seltener, teils nie gesehener
Fotos macht dieses Buch zu einer unverzichtbaren Ergänzung der bekannten
Standard-Werke über den 300 SL und kann nur wärmstens empfohlen
werden.
Ein kleines Schmankerl am Rande:
Ludvigsens eigener Gullwing, so enthüllt der Autor in seinem Vorwort,
hat eine bewegte Renngeschichte - es war der Wagen, der von Wolfgang Seidel
und Helm Glöckler mit Startnummer 454 bei der Mille Miglia 1956 auf
den 7. Gesamt- und 3. Klassenplatz pilotiert wurde (Klassensieger damals:
John Fitch mit dem 300 SL Startnummer 417). |
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