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| ELEPHANTENKLO
Nr. 169, 8. Mai 1984 Nachdem in letzter Zeit in gewissen (gewissenlosen???) Kreisen E-Klo-Witze rundgehen, kann sich Dr. Muffel nicht zurückhalten, ebenfalls einen kürzlich gehörten weiterzugeben: Ein Russe, ein Amerikaner und ein bekannter, regelmäßig das neueste E-Klo ausleihender Leser treffen sich, um zu ermitteln, wer bei der Lektüre des E-Klos als erster einschläft. Zuerst geht der Ami mit der Zeitung ins stille Kämmerlein. Zehn Minuten später öffnet sich die Tür, der Ami wankt heraus, fällt um und beginnt zu schnarchen. Der Russe hält es eine halbe Stunde aus (kommt sicher vom Prawda-Lesen, Anmerkung d. T.), dann öffnet sich die Tür, er wankt raus, fällt um, schnarcht. Zum Schluß ist unser Ausleiher an der Reihe. Er nimmt das E-Klo, öffnet das Kämmerlein und verschwindet. Bereits nach fünf Minuten geht die Tür wieder auf, und heraus kommt das E-Klo, verdreht noch einmal die Augen, fällt um und versinkt im Tiefschlaf. Die Gruppen „Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich“, „The Tremeloes“ und „Marmelade“ haben vor über 15 Jahren eine Generation von werdenden Bankangestellten glücklich gemacht. Da diese nun etabliert sind und ihre Schreibtischstühle durchsitzen, liegt es da nur nahe, statt Jogging sich mal an die alten Tanzbewegungen zu erinnern und daher die Heroes ihrer Teeniezeit, die immer noch oder wieder durch die Lande tingeln und von besseren Zeiten träumen (wären sie doch Bankangestellte geworden!), zu einem Konzert nach Gießen einzuladen. So veranstaltet die Volksbank am 16. Mai ein ebensolches in der Kongreßhalle. Bevor dann die Musiker dort auf die Bühne steigen, werden sie mit Beißzangen in ihre engen Hosen steigen, das Korsett festzurren, das Doppelkinn liften und noch 'ne Tasse Kaffee trinken, damit der Speed reicht, um „Hold Tight“, „Bend It“, „Obladi-Oblada“ oder „Here comes my baby“ zum Besten zu geben. Das Publikum wird aus vergessenen Ecken des Kleiderschranks die karierten Samthosen, die bunten Rüschenhemden, die knalligen Krawatten und halbhohen Stiefel hervorkramen. Die weniger Modebewußten begnügen sich dagegen mit einem schlichten Anzug. Die wenigen, die keine Bankangestellten geworden sind, müssen sich wohl das eine oder andere Naserümpfen gefallen lassen – „Hide Away“. Vielleicht guckt Dr. Muffel auch mal rein, denn er hat früher ebenso auf diesen Bands gestanden (naja, eigentlich hauptsächlich auf DDDBM&T, die anderen waren ein bißchen zu seicht), auch wenn diese alte Liebe inzwischen etwas verrostet ist und er auch kein Bankangestellter geworden ist. Und während die Alten sungen, zwitschern die Jungen sich einen. Prost! Hoffen wir, daß es nicht zu viele Beinbrüche und Zerrungen in den steifen Gliedern gibt, damit die Banken am nächsten Tag nicht aus Personalmangel dichtmachen müssen. Daß in der Lahnlust leicht okkulte Veranstaltungen stattfinden, war ja bekannt (Wünschelruten, Erdstrahlung etc.). Daß jetzt dort aber auch Horror á là Carpenter stattfinden soll, ist mir neu. Folgende Ankündigung fand ich im Gießener Anzeiger: Jazz und Fog im Kulturzentrum Gießen (mo). In der Reihe „Jazz in der Lahnlust“ spielt heute abend um 21 Uhr die Gruppe ,,Sequence“ auf. Die Veranstaltung findet im Kulturzentrum in der Lahnstraße 100 statt. Ebenfalls im Kulturzentrum findet morgen abend um 20.30 Uhr ein Musikabend in Zusammenarbeit mit der Gießener Foginitiatve statt. „Holzrätchen“ heißt die Foggruppe, die diesen Abend musikalisch gestalten wird. |
Liebe
Lahnlüstlinge, seid
vorsichtig, denn 1.) weiß man nie, was sich
hinter einer Nebelbank verbirgt (also unbedingt Abblendlicht
einschalten!); 2.) werden davon die Wände feucht (also nach jeder
derartigen Veranstaltung gut lüften!). Ich hoffe, ihr befolkt diesen
Rat. Eh ich‘s vergesse: mit Journalisten nur schriftlich verkehren! Nun ist es also amtlich: noch vor den Sommerferien will die Stadt ein neues Open-Air veranstalten. Diesmal nicht im VfB-Stadion, sondern auf einem großen Hang am Schiffenberg, ca. 100 m unterhalb des alten Klosters. Was dem AStA vor ein paar Jahren durch die Sturheit des ehemaligen Schiffenberg-Pächters und die zugeknöpfte Haltung des Magistrats verwehrt wurde, Colley* machts moglich. „Internationale Stars“ sollen auch diesmal auftreten, welche, wurde noch nicht bekanntgegeben, da wohl die Verträge noch nicht unterzeichnet sind. Dr. Muffel tippt auf Peter Maffay, Van Halen sowie Ricchi & Poveri. Im Vorprogramm: die Songgruppe der Stadtverwaltung mit ihrem Hit: „Der Teufel scheißt immer auf den dicksten Haufen“. Alsdann ist eine wichtige Korrektur angebracht: im E-Klo Nr. 166 erweckte ich den Eindruck, als sei in Gießen die Zahl der Eheschließungen und Geburten zu niedrig (dem Oberbürgermeister ein Kind zu machen, können wir uns sparen, er hat gerade wieder geheiratet und versuchts vielleicht selbst). Dem ist der Magistrat nunmehr mit der Feststellung entgegengetreten, daß die Zahl der Heiraten von 409 in 1981 über 442 in 1982 auf stolze 460 im Jahr 1983 angestiegen ist. Dies bedeutet eine Steigerung von fast 12,5% in zwei Jahren. Gleichzeitig nahm die Zahl der Geburten 1983 um 1% zu, während sie im gleichen Zeitraum im Landesdurchschnitt um 5,8% gesunken ist. Gebärfreudiges Gießen! Deine Zukunft ist gesichert! Wenn Hessen dereinst entvölkert ist, befindet sich das Landeszentrum in Gießen. Oh Einkaufsströme! Steuereinnahmen! Mehr Fußgängerzonen! Erweiterung des City-Centers! Neue Parkhäuser! West-Süd-West-, Nordost- und Südost-Tangenten! Und das ELEPHANTENKLO ist die letzte und einzige hessische Alternativzeitung. Oh Auflage! Sämtliche zukünftigen Staatsknete-Gelder, die die GRÜNEN lockermachen, fließen nach Gießen (ist das nicht ein toller Stabreim?). Welch eine Lahnlust für Alternaiv-GmbH, Ökotopia, Kleine Freizeit, Klatschmohn und Co.! Wenn es dem Magistrat darüberhinaus noch gelingen sollte, die Ölquellen auf der Wieseck nutzbringend zu erschließen (statt immer nur über „Umweltverschmutzung“ zu lamentieren), haben wir alle ausgesorgt. Am Gießener Wesen wird dann endlich die Welt genesen. Das prophezeit Euch Dr. Muffel * Hans-Peter Colley war, soweit dem Autor erinnerlich, zu jener Zeit Referent des Oberbürgermeisters Görnert (CDU). |